Meine HARLEY,
das unbekannte Wesen
GRUNDWISSEN MOTORRADTECHNIK
VON ALFRED SCHAY
Für meine bisherige Sozia
Das wichtigste an
der Harley ist wohl der Antrieb, also der Motor.
Es ist ein Verbrennungsmotor.
Obwohl es sehr simpel
klingt, ist für eine evtl. Fehlersuche wichtig zu wissen, was
für eine Verbrennung unbedingt wichtig ist:
- Brennstoff möglichst Super-Benzin
- Luftsauerstoff
- Zündfunke, der das Benzin-Luftgemisch zündet.
Der Verbrennungsmotor
braucht also das gleiche wie jeder Ofen:

1. Brennstoff
Der Motor
läuft nur, wenn Benzin im Tank ist. Deshalb unbedingt nach dem Tanken
(wirklich voll tanken!) den Tageskilometer zurückstellen und rechtzeitig
(circa nach 200 km) nachtanken, da Deine Harley keine Benzinuhr
hat.
Nach Öffnen
des Benzinhahns (Knebel senkrecht nach unten) fließt das Benzin zum
Vergaser, der sich hinter dem auffälligen Luftfilter befindet.
Im Vergaser
wird eine gewisse Spritmenge gespeichert bis der Schwimmer den weiteren
Zulauf stoppt, so daß der Vergaser nicht "ersaufen" kann. Sollte das
Schwimmernadelventil defekt oder eine Dichtung defekt sein, kann überschüssiges
Benzin durch das Überlauf-Schläuchlein ablaufen.

2. Luftsauerstoff
Der für den Motorlauf
nötige Sauerstoff wird der Umgebungsluft entnommen und weil beim
Fahren auf staubigen Straßen die Sandkörnchen dem Motor schaden
könnten wird die Luft durch den Luftfilter angesaugt und gefiltert.
Im Luftfilter-Gehäuse befindet sich Filtermasse, die sich mit Staub
verstopft und deshalb regelmäßig (siehe Kundendienstheft) ersetzt
werden muß.
Die Motorleistung verringert sich stark bei verschmutztem Luftfilter!
Der Luftfilter leitet
die Luft direkt in den Vergaser.
Hier im Vergaser vereinigen
sich Benzin und Luftsauerstoff, in dem die mit dem Gasgriff zu regelnde
Luftströmung im Vergaser das Benzin mitreißt. Es entsteht ein leicht
brennbares Benzin-Luft-Gemisch. Durch spezielle Düsen für Leerlauf
und Fahrbetrieb kann die zufließende Benzinmenge (in der Werkstatt)
eingestellt werden, so dass der Motor in jeder Fahrsituation "rund"
läuft.

Das Benzin-Luftgemisch
wird über den Einlaßkrümmer (Manifold) in die beiden Zylinder gedrückt.
Ist hier etwas undicht, knallt der Motor (bestenfalls).
In jedem der beiden
Harley-Zylinder geschieht wechselseitig folgendes:
-
Benzin-Luftgemisch strömt ein, dann
-
verschließt das Einlaßventil den Verbrennungsraum, dann
-
zündet
die Zündkerze im richtigen Moment das explosive Gemisch, weshalb
der Kolben nach unten gedrückt wird, dann
-
öffnet
das Auslaßventil den Verbrennungsraum während der Kolben nach
oben geht, weil der zweite Zylinder gezündet hat, strömen die
Verbrennungsgase über den Auspuff ins Freie.
Da die Zylinder im Wechsel
gefüllt, gezündet und ausgepufft werden, ergibt sich eine kontinuierliche
Motorleistung.
Die Auf- und Abbewegung
der Kolben wird durch die Kurbelwelle in eine Drehbewegung
umgewandelt. Die Steuerung der Öffnungs- und Schließzeiten der Ventile
erfolgt über die Nockenwelle.

Kraftübertragung
KUPPLUNG
Die Kupplung überträgt die Motorkraft auf das Getriebe. Sie ist
eine lösbare Verbindung. Durch Betätigen des Kupplungshebels wird
der Motor vom Getriebe getrennt und somit die Kraftübertragung unterbrochen.
GETRIEBE (Gangschaltung)
Durch das Wechselgetriebe kann die Übersetzung zwischen Motor und
Hinterrad geändert werden. Es können bei gleicher Motordrehzahl unterschiedliche
Geschwindigkeiten gefahren werden.
Die Fa. Harley-Davidson
hat die Kurbelwelle durch den sog. Primärantrieb (einer Kette) mit
der Kupplungs- und Getriebeeinheit verbunden.
Bei den Big-Twin-Modellen liegt das Getriebe auf der rechten Fahrzeugseite.
Der Ölstand muß regelmäßig kontrolliert werden.

ANTRIEBSRIEMEN (Belt)
Von der Getriebescheibe wird über eine Kette oder über einen Riemen
(Belt) die Motorkraft auf das Hinterrad der Harley übertragen.
Die Belt-/Kettenspannung
ab und zu prüfen, nachstellen; Laufende Kettenpflege, insbesondere
nach einer Regenfahrt, ist sehr, sehr wichtig!
Belt auf Beschädigungen oder eingeschlossene Steinchen prüfen!
Frage: Woher kommt der
elektrische Strom für die Zündung?
Fahrzeugelektrik
Die heutigen Harleys
werden über eine Batterie 12V 19Ah gestartet.
Damit der elektrische Strom fließen kann, muß der Strom zum Verbraucher,
z.B. Anlasser, Scheinwerfer, Zündspule mit einer Leitung geführt werden,
aber auch für einen Rückfluß muß gesorgt werden. Bei Harleys mit ihren
Metallrahmen und Metallkotflügeln geht der Rückfluß über die MASSE
des Rahmens, d.h. es gibt Rückleitungen (Masseleitungen) vom Verbraucher
nur bis zur leitenden Masse.
Die Batterie ist mit
dem +Pol am Kabelbaum angeschlossen, der zuerst zu den Sicherungen
führt. Es handelt sich um automatische Sicherungen, die nicht gewechselt
werden müssen!
Der -Pol der Batterie wird in der Nähe des stärksten Verbrauchers,
dem Anlasser, am Rahmen angeschlossen.
Der +Pol der Batterie oder durchgescheuerte Stromleitungen dürfen
nie mit Metallteilen des Motorrades (Masse!!) in Berührung kommen,
sonst entsteht ein Kurzschluß!
Um dies zu vermeiden,
bei Ausbau der Batterie immer zuerst den Minuspol lösen, bei Einbau
der vollen Batterie zuerst Pluspol anschrauben.
Eselsbrücke:
Ausbau: schlechte Batterie - schlecht = -
Einbau: gute, volle Batterie - gut/positiv = +
Der elektrische Strom
fließt von der Batterie über den Hauptschalter zum Anlasser-Motor,
der sich dreht und dabei den Harley-Motor mitdreht. Dadurch gibt das
Zündmodul (unsichtbar an der Nockenwelle) das Zündsignal an die Zündspule,
die den Strom verstärkt und direkt an die Zündkerze weitergibt, die
mit dem Zündfunken das Benzin-Luftgemisch zündet. Dieser Vorgang setzt
sich laufend fort, d.h. der Motor läuft.
Damit aber die Batterie
nicht entladen wird, läuft mit dem Motor auch ein Generator mit, die
Lichtmaschine. Durch den an diese angeschlossenen Regler
wird die Batterie wieder aufgeladen bzw. Strom an andere Verbraucher,
z.B. Licht abgegeben. Wenn der Strom der Lichtmaschine z.B. bei langsamen
Motorlauf oder Schäden nicht ausreicht, wird dies durch ein Kontrolllämpchen
angezeigt.
Kühlung des Motors
Harleys haben eine ausreichende
Luftkühlung durch die Kühlrippen an den Zylindern. Eine zusätzliche
Ölkühlung ist nicht nötig, kann sogar durch Bildung von Kondenswasser
schädlich für den Motor sein.
Auf ausreichende Kühlung des Reglers ist zu achten bei Anbringen eines
Air-dam.
Schmierung des Motors
Die Reibungsflächen
im Motor müssen immer gut geschmiert werden. Deshalb regelmäßig Ölstand
im Ölbehälter prüfen: Bei Big Twin-Modellen auch Getriebeöl prüfen.
Bei auffälligem Ölverlust sofort in die Werkstatt.
Ölstand im Primärkasten
bei der Inspektion prüfen lassen!
Bremsen
Bremsflüssigkeit regelmäßig
erneuern lassen - mind. alle zwei Jahre -, in jedem Fall aber bei
überhitzten Bremsen, da sich Wasser evtl. sogar Luftblasen angesammelt
haben könnten.
Ab und zu die Stärke der Bremsbeläge prüfen, dabei auch die Bremsscheiben
auf Riefen kontrollieren.
Batteriepflege
Die Batteriepflege ist
insbesondere über die Wintermonate sehr wichtig. Hierzu Batterie ausbauen
(-Pol zuerst), Säurestand überprüfen und jede Zelle bis knapp über
die Lamellen mit destilliertem Wasser auffüllen.
Vorsicht: Batteriesäure dehnt sich dabei aus und kann überlaufen.
Batteriestöpsel lösen und auf die Öffnungen legen, damit Säure beim
Ladevorgang nicht herausspritzt. Nach etwa 1stündiger Ladezeit destilliertes
Wasser bis zur Markierung auffüllen und weiterladen bis die Batterie
voll geladen ist.
Achtung: Geschlossene Batterien mit Gelatinefüllung dürfen
nicht mit normalem Ladegerät geladen werden - Explosionsgefahr!
Vor dem Einbau der Batterie
(gute Batterie, +Pol zuerst) die Pole mit Polfett einschmieren, damit
sie nicht oxydieren.
Darauf achten, daß die
Batterie auf Gummi gelagert, aber gut befestigt ist.

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