Der Schwabe
geschrieben von Hans-Peter Fekter
Grüß Gott miteinander. Die an einen Schwaben wie mich oft gestellte Feststellung,
wenn er unaufgefordert den Mund aufmacht lautet: "Sie haben aber einen
gefährlichen Dialekt für diese Gegend!" Das kann ich gar nicht nachvollziehen,
denn bislang ist mir der Aufenthalt in Baden bestens bekommen. Gröbere
Feindseligkeiten habe ich keine erfahren müssen. Die Einreise vor acht
Jahren hatte schon ohne Visum geklappt, im Bürgerbüro wurde in meinen
Personalausweis die badische Adresse gleich eingetragen und die Zulassungsstelle
ist weitestgehend ähnlich wie in meiner Heimatstadt Stuttgart. Jetzt habe
ich eben eine OG-Autonummer. Und das "S" abgeben müssen. Jeden Montag
Abend in der Sauna lache ich gemeinsam mit den Kommilitonen über die neuesten
Schwabenwitze und erkläre jedem, dass nach fünf Jahren Aufenthalt automatisch
die Greencard erteilt wird. Jetzt darf ich mich als Schwabe im badischen
"Ausland" frei bewegen, den Wohnsitz und den Arbeitgeber wechseln. Solange
nicht zu viele meiner Artgenossen auf die selbe Idee kommen und Stuttgart
verlassen, ist das sicher auch in Ordnung so. Was bewegt einen Schwaben
überhaupt dazu, nach Baden zu ziehen? In meinem Fall war es der Wille,
beruflich weiterzukommen, und hier hatte sich eben die beste Chance dazu
ergeben. Das erzwingt sofort die nächste Frage: Warum zieht ein Zugereister
wie ich dann nicht gleich ins benachbarte Elsass, wo man wie Gott in Frankreich
leben könnte, mit niedrigeren Immobilienpreisen, tieferen Steuern und
gediegener Gastlichkeit? Nun ganz einfach: Die Badener verstehen uns Schwaben
trotz unverkennbarem breitesten schwäbischen Akzent. In Frankreich ist
das nicht mehr über der Fall. Hier wird der sprichwörtlichen schwäbischen
Sparsamkeit als ein Riegel vorgeschoben, der Herr Eichel darf sich die
deutsche Einkommensteuer garnieren und ich wohne auf der rechten (richtigen?)
Seite des Rheins. Geniessen kann man hier in Baden die geographische Nähe
zur Schweiz und dem Elsass. Zu den "Kanalwackes" entführe ich meine Frau
häufiger, um übersichtliche Portionen zu vertretbaren Preisen zu konsumieren.
Die merken es übrigens auch nicht, ob ein "Dütscher" aus Baden oder Württemberg
anreist. Man bleibt so quasi anonym. Die Einführung des Euro hat daran
auch nichts verändert. Die Schweiz lädt ein mit Bergwelt und Käse. Von
Stuttgart aus ist es schon viel weiter und man müsste den geliebten Jahreswagen
mehr Kilometer aufbürden, was einem echten Mercedesfahrer (mit Hut) schon
Bauchschmerzen bereiten würde. Bleibt einem die Genugtuung, dass der schwäbische
Heizölferrari wenig Diesel konsumiert und dem Fahrer das Geld für ein
zweites (unvernünftiges) Viertele bleibt. Zur Not lässt er seine
Frau heimfahren. Geizig sind wir Schwaben nämlich nicht, höchstens extrem
sparsam!
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Der Badener
geschrieben von Gerd Biersner
Ohne Umschweife bringt es der Homo Badensis auf den Punkt: Die Bewohner
jenseits der Schwarzwaldhöhen wären ihm am liebsten, wenn die Völkerwanderung
den Zwangs-Mit-Muschderländler dorthin verschlagen hätte, wo er im ihm
eigenen breitesten Schwäbisch am lautesten Nein gesagt hätte: nach "Ha,
noi" Die Geschichte lehrt uns: Nicht einmal zum gegeneinander Krieg führen
hat's gereicht: zu eklatant sind die Unterschiede zwischen dem unter gelb-schwarzer
Landesflagge vereinten Gelbfuss und dem Kehrwochen-Ayatholla! Wie kann
auch in einem Menschen (Lebens)Freude aufkommen, der sich von Gselzbrot,
Linse und Spätzle und Gaisburger Marsch ernähren muss, und dessen höchstes
Lebensglück ein Schluck Trollinger ist? Troll dich, Schwabe! Zu tief sitzt
der Stachel der Bevormundung des uns in jeder Hinsicht unterlegenen Neckar-Anrainers:
Haben wir den Stern in der Küche, hat er ihn am Auto! Haben wir, denen
uns gelb-rot-gelbes Blut durch die Adern bis unter die Kopfhaut schiesst,
durch unser liberales Denken so manche Revolution vom Zaune gebrochen,
müssen wir uns nun vor einer Spezies Mensch nicht nur landespolitisch
bevormunden lassen, die nichts lieber tut, als den Mülleimer immer wieder
blitzblank zu putzen., nachdem ihn die Müllabfuhr geleert hatte..Blitzblanke
Leere! Kein Wunder, dass die Schwaben ein Fest Hocketse nennen: da hocket
se rum und brüten schwermütig aus, wir sie "de neue Daimler" finanzieren
sollen, der nötig geworden ist, weil der Nachbar auch einen hat. Es lässt
sich leicht erahnen, welch derber Peitschenschlag ins Gesicht des Badeners
es ist, wenn er ob seiner musikalisch hochwertigen Interpretation der
deutschen Sprache nördlich des Weißwurstäquators gefragt wird: "Sind Sie
Schwabe?" Aber so leicht lassen wir uns nicht den Butter vom Brot nehmen
- erst recht nicht, wenn wir darauf hingewiesen werden, dass wir den falschen
Artikel verwendet haben und kochen grad "zuleid" mit Butter statt mit
Margarine. Okay, okay - sie haben Schiller, Hölderlin, Mayer-Vorfelder,
sie haben das Steiff-Tier erfunden und die Maultaschen und danach stolz
"Sodele, jetzedle" gesagt! Sie sind Synonym für Schaffe, schaffe, Häusle
baue, und wenn sie gehen, sagen sie verniedlichend "Ade-le". Das klingt
schon beinahe bedrohlich nach Wiederkehr. Doch der dem Badener eigene
Liberalismus lässt ihn über all das hinwegsehen. Man nimmt´s wie´s ist,
und versucht zu verhindern, dass Rebsorten wie der Trollinger am Kaiserstuhl
wachsen oder Vorzeige-Schwaben wie Klinsmann den SC Freiburg trainieren.
Dann noch lieber absteigen. Und die uns eigene badische Weisheit lässt
uns das vor genau fünfzig Jahren ereilte Schicksal, mit unserem Lieblingsfeind
zusammen Baden-Württemberg gründen müssen, mit hoch erhobenem Haupt ertragen:
"Mir hen nix gege d´Schwobe - zumindest nix, was hilft!"
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