Gemeindenahe Rehabilitation

1994 wurde das "Gemeindenahe Rehabilitationsprogramm" (CBR) für die Erfassung und Betreuung von Menschen mit Behinderungen in den Slums von Mombasa ins Leben gerufen. Mombasa Distrikt hat eine Bevölkerung von nahezu 1 Million Menschen wovon schätzungsweise 100.000 eine Behinderung haben. Viele dieser Behinderten haben keinen Zugang zu Rehabilitationsdiensten oder können sich eine Behandlung nicht leisten.
 
Unser Programm konzentiert sich auf die ärmlichsten Wohngebiete in den Außenvierteln von Mombasa und hat sich bisher auf Mombasa West beschränkt, da unsere Klinik in diesem Gebiet liegt.
 
1994 begann das Programm mit zwei Mitarbeitern, Mrs. Okelloloka als Leiterin und John Mwakuwanda als Rehabilitationsspezialist. Sie nahmen an einem 6-wöchigen Kurs in Ruanda teil, der von der "Christoffel-Blindenmission" abgehalten wurde. Danach bildeten sie vier Betreuer aus, die die Programme durchführen. Dieses Jahr wurden vier weitere Betreuer eingestellt um den gestiegenen Bedarf gerecht zu werden.

Die Hauptaufgaben des Programmes sind wie folgt:

1. Erfassung aller behinderten Menschen in einem Gebiet durch Tür-zu-Tür Besuche und Erstellung der Diagnose. Blinde, Sehbehinderte, Gehörlose und geistig Behinderte werden an andere Organisationen verwiesen während Körperbehinderte, die chirurgische Eingriffe benötigen, in unsere Klinik eingewiesen werden.

2. Für Zerebral geschädigte und Körperbehinderte, die regemässige Therapiemaßnahmen benötigen, werden von den Theraputen Heimtherapieprogramme erstellt und Familienmitglieder ausgebildet, die dann täglich die Maßnahmen durchführen. Die Betreuer besuchen die Patienten wöchentlich um Fortschritte zu erkennen und in Problemfällen auszuhelfen.

3. Um Vorurteile zu überwinden, werden Aufklärungsarbeiten in der Familie und der Dorfgemeinschaft vorgenommen, damit Behinderte von der Gesellschaft akzeptiert werden. Aberglaube ist an der Küste noch sehr stark verbreitet und viele Eltern glauben, dass behinderte Kinder verhext sind und man nichts dagegen unternehmen kann.

4. Vorbeugemaßnahmen um Behinderungen zu vermeiden werden vermittelt und es wird auf hygienische Verhältnisse und gesunde Ernährung hingewiesen um Krankheiten zu vermeiden, die bei behinderten Kindern oft zum Tode führen.

5. In extremen Fällen von Unternährung werden Vitamintabletten ausgegeben und Nahrungsmittelspenden über eine kirchliche Hilfsorganisation vermittelt bis die Kinder Normalgewicht erreichen. Trotz dieser Maßnahmen kam unsere Hilfe in diesem Jahr für fünt behinderte Kinder zu spät, die an Unterernährung und Krankheiten strarben.

6. Armut ist die Hauptursache die zu Behinderungen führt und viele Familien haben kein geregeltes Einkommen. Vor allem alleinstehende Mütter haben es äußerst schwer, Geld zu verdienen und sich gleichzeitig um ein schwerbehindertes Kind zu kümmern. In diesen Fällen unterstüzt unser "Einkommensförderndes Programm" von APDK die Mütter beim Aufbau eines Kleingeschäftes damit sie ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Vielen Müttern blieb als einziger Ausweg die Prostitution und manche sterben an AIDS. Derzeit betreuen wir eine Familie mit 10 Kindern, eines davon schwerbehindert, wobei beide Elternteile an AIDS erkrankt sind.

7. Eine Sozialarbeiterin berät Familien, die in sozialen Notlagen sind. Sie fördert ebenfalls die Gründung von Selbsthilfegruppen von Behinderten oder deren Eltern, die dann Kleinprojekte starten oder z.B. eine Betreuungsstätte gründen, in denen die behinderten Kinder sich tagsüber aufhalten können.

8. Ziel des Prgrammes ist, Behinderte voll in der Gesellschaft zu integrieren und ihnen Schulausbildung zu ermöglichen. Ein Ausbildungsspezialist kümmert sich darum, dass die betreuten Kinder entweder in einer normalen Schule integriert werden oder notfalls in einer Schule für Behinderte unterkommen. Dankbarerweise haben wir einige Einzelspender und den Verein "Polio Hilfe Kenia in Oberwolfach", die Patenschaften übernommen haben um die anfallenden Schulgebühren abzudecken (ca. 300 DM pro Jahr in einer Internatschule).

Bisher hat das Prgramm etwa 30 % der Wohngebiete von Mombasa West abgedeckt und hat dabei 519 Behinderte erfasst und entweder direkt geholfen oder sie an andere Institutionen verwiesen.

1999 soll das Prgramm an die Nordküste ausgedehnt werden, wo sich ebenfalls große Slumgebiete befinden in denen viele behinderte Mitmenschen auf unsere Hilfe warten.

Streetworker
mit behindertem Kind

Kind mit Klumpfuss
beim ersten Gespräch
Elizabeth Okelloka
REHAB Co-ordinator